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Die internationale Sprache Esperanto für Arbeiter und Kommunisten
(auch spöttisch: das Latein für Arbeiter)

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[In diesem Artikel schildert Dieter Rooke die Entstehung des kommunistischen Esperanto-Milieus und die heutigen Aktivitäten des Internationalen Kommunistischen Esperanto-Kollektivs IKEK (Internacia Komunista Esperantista Kolektivo).]

Die "kommunistischen" Esperantisten formierten sich mit der Entstehung und Weiterverbreitung der Sprache. Zum ersten universalen Esperanto-Kongress in Frankreich pilgerten vor allem jugendliche Idealisten, Sozialisten, Anarchisten, Menschen mit progressiver Weltanschauung. Schon beim ersten Kongress 1905 bestand ein unsichtbarer Gegensatz zwischen den Bürgerlichen und den Arbeitern, genauso wie in der übrigen Welt! Dieser Graben wurde sichtbar, als der Schöpfer des Esperanto, L. Zamenhof, ein ökumenisch- religiöses Gedicht Unter der grünen Flagge rezitieren wollte. (Die Arbeiterklasse wurde in dieser Zeit sowohl von den europäischen Monarchien sowie dem Klerus und der erstarkenden Kapitalistenklasse unterdrückt.) Das wurde ihm von den Organisatoren, französischen Verteidigern der Trennung von Kirche und Staat, verboten. Der Gründer des Esperanto hatte eine eigene Weltanschauung mit humanistischem Inhalt und mit starken religiösen Zügen. Das wurde von den meisten Esperantisten nicht verstanden oder direkt abgelehnt. In diesem Spannungsfeld – von extrem religiösen Fanatikern bis zu dezidierten Atheisten, Sozialisten, Kommunisten – entwickelte sich die Sprache weiter. Schon im folgenden Jahr 1906 gründeten Sozialisten eine eigene Organisation, was auch andere politische Gruppen taten.

Weil Esperanto jedem gehörte, ergriffen die Kaisertreuen in Deutschland die Gelegenheit, für den "gerechten" 1. Weltkrieg Propaganda zu machen.

Im Folgenden zeigte sich weiter der Einfluss der Geschichte auf die Sprache und das Handeln der Esperantisten. In der großen proletarischen Arbeiterrevolution in Russland wurde vergeblich versucht, die Sprache in der roten Armee einzuführen. Obwohl der Sekretär von Lenin, Genosse E. Drezen, Esperanto stark unterstützte, wurde es nicht im neuen Sowjetstaat eingeführt.

Im Faschismus wurde versucht, Esperanto auch für "Volksgenossen" erträglich zu machen, aber ohne Erfolg. Deshalb wurde die Esperanto-Bewegung vollständig verboten (als angebliches Instrument zur Weltherrschaft der Juden).

Im sozialistischen Lager spaltete sich die neu gegründete Arbeiter-Esperanto-Organisation SAT mit einigen tausend Mitgliedern. Die "Moskautreuen" verließen die Organisation und gründeten eine eigene. Aus dem Konferenzsaal marschierten diese, auf den Lippen die Internationale singend!

Mit der Verfolgung unter Stalin und Hitler und dem 2. Weltkrieg schrumpfte die neutrale und die Arbeiter-Esperanto-Bewegung weiter. Im "freien" Westen wurden die kommunistischen Esperantisten an den Rand gedrängt und im Osten mit Widerstand der staatlichen Behörden nur nach dem Tod Stalins anerkannt.

Mit dem Zerfall der Sowjetunion und der andauernden geschickten Westpropaganda wurden Kommunisten dem Teufel gleichgesetzt: Deshalb waren die Esperanto-Kommunisten immer in einer sehr defensiven Position.

Auszug aus dem Statut des IKEK

Die Esperanto-Kommunisten können nicht abseits stehen, wenn es um Frieden, sozialen Fortschritt, Ökologie und Demokratie geht.

Die Esperanto-Kommunisten sind offen für alle Tendenzen in der Arbeiterbewegung.

Auch wenn ein großer Teil im IKEK den Marxismus-Leninismus als Grundlage betrachtet, ist diese doch weiterhin für alle diskutierbar!

Das Statut aus dem Jahr 1996 des IKEK (= Internationale der Esperanto-Kommunisten) besagt:

"Die Esperanto-Kommunisten möchten alle Arbeiter vereinigen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch! Den Klassenkampf weltweit unterstützen (seien es Parteien oder andere Organisationen)!"

In der neu gegründeten politischen Esperanto-Organisation Esperanta Civito, welche versucht, auf der politischen Weltbühne anerkannt zu werden, gibt es eine rote Fraktion, welche die grundlegenden Ziele der Kommunisten öffentlich vertritt. Im Esperanto-Parlament wurde am 19. März 2007 in Brüssel eine Resolution zur Abschaffung der Streubomben einstimmig angenommen. Im Parlamentsgebäude der EU wurde der Senat des Esperanta Civito von den EU-Parlamentariern Marco Cappato und Małgorzata Handzlik emfangen.

Dieter Rooke, Senator im Esperanto-Parlament nach oben

ĝisdatigo de 2017-04-18 / zuletzt geändert am 18. 04. 2017