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Esperanto dient Anti-G8-Demonstranten

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[Dieser Artikel von Vinko Markov erschien zuerst auf französisch bei SAT-Amikaro.]

Mehrere Artikel, die neulich im New Statesman und im Spiegel [1] erschienen sind, betonen, dass Esperanto weiterhin durch Aktivisten für eine andere Globalisierung gebraucht wird, die Demonstrationen gegen den nächsten, vom 7. bis zum 9. Juli auf der Insel Hokkaido laufenden G8-Gipfel vorbereiten.

Die Betonung liegt   mit einigen Ungenauigkeiten   vom allen Dingen auf einer spektakulären Gegebenheit, u. zw. dem Einreiseverbot für Japan, das dem deutschen Aktivisten Martin Krämer ausgesprochen wurde. Dieser war in sehr provokanter Weise, die Internationale auf der Trompete spielend, angekommen. Die Episode weckte die Neugier der japanischen Geheimdienste, die sich daran störten, dass sie die Sprache nicht verstanden, in der sich dieser Unruhestifter mit seinen japanischen Genossen verständigte. [2]

Was Spiegel und New Statesman nicht sagen, ist, dass zwei koreanische Esperantisten mit dabei waren, als gegen Martins Abweisung demonstriert wurde. Übrigens hatten auch sie erst nach zweistündiger Schikane und der Abnahme von Fingerabdrücken einreisen können. Der eine, Kara, erzählt wie Martins Abreise vonstatten ging:

"Nach zweistündiger völlig außergewöhnlicher Abfragerei konnten wir endlich die Einreisestelle verlassen. Da trafen wir den Genossen Naoto und die anderen am Ausgang. Sie sagten uns, dass ein deutscher Anti-G8-Aktivist, der Genosse Martin Krämer, ein Einreiseverbot für Japan durch die Einreisestelle ausgesprochen bekommen hatte, und dass er sich schon seit vier Tagen auf dem Schiff befindet. Darum sind wir für zwei Stunden zum Otaruhafen gegangen, um unsere Solidarität kundzutun und um gegen diese Ungerechtigkeit zu protestieren.

Als wir am Hafen ankamen, waren örtliche Aktivisten schon da. Als wir eine Transparente auf Englisch erblickten, auf der "Rettet Martin, kein G8" und andere Losungen standen, haben wir auch unsere Transparente entrollt. Vor der Abfahrt sagte uns der Genosse Martin, dass er unbedingt nach Japan zurückkehrt, um gegen den G8-Gipfel zu protestieren, und er spielte verschiedene Kampflieder auf der Trompete, auch den bekannten We Shall Overcome. Wir konnten nichts machen, als er uns verlassen hat. Wir konnten nichts als schreien und Handzeichen machen, aber es war herzerwärmend. Menschen aus verschiedenen Ländern waren zusammengekommen, um gegen den G8 zu protestieren, und die japanischen Genossen waren eins mit den Genossen der anderen Ländern, die dasselbe Ziel hatten."

Solidarität mit den Anti-G8-Demonstranten wurde auch per Internet übermittelt. Zum Beispiel in einer durch Miko Sloper am 14. Mai aus Bangalore (Indien) abgeschickten E-mail:

"Da die Bürger der reichsten Länder der Welt den wesentlichen Teil der Nahrungsmittel essen, den größten Teil des Erdöls verbrennen und den größten Teil der giftigen Substanzen produzieren;

da die Bürger der reichsten Länder des Planeten den größten Teil der Schusswaffen, Raketen, Bomben und anderen Todeswerkzeugen produzieren, die im Namen der Nationen und des Nationalismus verwendet werden;

da die Bürger der reichsten Länder des Planeten sich arrogant anmaßen, über das Schicksal der Arbeiter, Fischer, Bauer und anderer Proletarier zu bestimmen;

unterstütze ich vom ganzen Herzen die Tätigkeit des Freien Esperanto-Bundes von Hokkaido in seinem Kampf gegen die engstirnige Politik der überreichen G8-Länder und für die gerechte Umverteilung der Reichtümer und Privilegien; ebenfalls unterstütze ich seine Vision einer Welt der Harmonie und des Friedens unter den Nationen, die frei ist von den Erschütterungen des Krieges."

Es ist nicht das erste Mal, dass Esperantisten sich an Ereignissen dieser Art teilnehmen. Sie sind seit 2003 bei den meisten Weltsozialforen bzw. kontinentalen Sozialforen anwesend. Dieses ist vielleicht aber das erste Mal, dass Esperanto so eindeutig nicht etwa als Wundermittel gegen alle internationale Kommunikationsprobleme, sondern als ein Werkzeug unter anderen, das schon heute sehr nützlich ist, um den Gedanken der weltweiten Solidarität zu verstärken. Wir gehen davon aus, dass es nicht das letzte Mal sein wird.

Vinko Markov

[1] Weitere Artikel erschienen in den Web-Seiten von Focus, der Süddeutschen Zeitung und der Netzzeitung [zurück]

[2] Im langen Spiegel-Artikel hieß es: "Nun aber interessieren sich plötzlich auch die Sicherheitsbehörden Japans für das Esperanto. Sie befürchten den Aufmarsch einer militanten Esperanto-Minderheit auf der Nordinsel Hokkaido, wo vom 7. bis 9. Juli der nächste G8-Gipfel stattfindet..." [zurücknach oben

Das selbständige Netzjournal Libera Folio bemerkt, dass die Schätzung über die Zahl der Esperantisten, der zufolge es etwa 10 Millionen gibt, etwas übertrieben ist. Es ist schwer, die Zahl genau zu schätzen, besonders weil verschieden definiert wird, wer ein "Esperantist" sei, aber die konsensfähigsten Schätzungen bewegen sich zwischen 100 000 und 2 Millionen.

ĝisdatigo de 2017-04-18 / zuletzt geändert am 18.04.2017